Die Damen in den Verkaufsbuden waren in jedem Alter und in jedem Typ vorhanden. Die einzelnen Buden waren hübsch arrangiert. Die feilgebotenen Gegenstände, wie immer bei solchen Gelegenheiten, geschmacklose Ware.
Jede dame patronesse hatte außer den Gehilfinnen in ihrer Bude noch eine Anzahl „fliegender Verkäuferinnen“, junge Mädchen, die wie Bienen emsig und unerschrocken den Saal durchschwirrten, ihren Vorrat an Blumen, Lotterielosen, Zigaretten den Herren anboten und dann von Zeit zu Zeit an ihre Verkaufsstände zurückkehrten, zwar nicht wie die Bienen mit Blütenstaub, sondern mit Mammon beschwert.
Monika gehörte zu den „Fliegenden“ von Frau von Wetterhelms Blumenstand.
Frau von Wetterhelm war auf allen Wohltätigkeitsveranstaltungen bekannt wie ein bunter Hund. Sie kam, sie war da und unterzeichnete im „Festausschuß des Ehrenkomitees“: „Frau Oberst von Wetterhelm“. Das „geborene Krause“ ließ sie weg.
Das „Frau Oberst“ war eigentlich eigenes Patent.
Sie war von Wetterhelm geschieden worden, als dieser noch Leutnant war. Der hatte dann bald darauf zum zweitenmal geheiratet, hatte aus dieser zweiten Ehe fünf Kinder und bekümmerte sich nicht im mindesten um das Schicksal seiner ersten Gattin, an der er — wie der bekannte Villenkäufer — nur zwei Freuden erlebt hatte: den Tag, an dem er sie bekam, und den Tag, an dem er sie losward!
Auch sie hatte nie mehr versucht, seinen Lebensweg zu kreuzen, aber sie avancierte mit! Sobald sie erfuhr, daß ihrem Gatten eine höhere Charge zuteil geworden, ließ sie sich neue Visitenkarten drucken. So war der „Frau Oberleutnant von Wetterhelm“ im Laufe der Jahre eine „Frau Hauptmann“ gefolgt; jetzt war sie bei „Frau Oberst“ angelangt.
Da sie eine auskömmliche Rente hatte und sich um ihren Lebensunterhalt nicht zu sorgen brauchte, so verbrachte sie ihre Zeit mit Besuchemachen und Teilnahme an Wohltätigkeitsfesten. Bei diesen war sie, wie gesagt, gar nicht zu vermeiden, und ebensowenig war es möglich, ihr die Blumenbude zu entreißen. „Blumen sind das Poetischste!“ sagte sie, „und gerade ich mit den so unendlich schweren Lebensschicksalen, — ich müßte ja verzweifeln, wenn ich mich nicht in die Poesie flüchten würde! — — Das verstehen Sie? Nicht wahr, das müssen Sie verstehn?! — —“
So behielt sie die Poesie und die Blumenbude und machte gewöhnlich recht gute Geschäfte, da sie es verstand, reizvolle, hübsche Mädchen und Frauen als Gehilfinnen zu werben.
Als sie vor wenigen Wochen in einer befreundeten Familie Monika kennen gelernt, hatte sie dieselbe sofort für den Posilipp dingfest gemacht.