Und Monika war begeistert. Konnte es denn überhaupt etwas Schöneres geben, als so losgelöst zu sein vom Zwange des Alltags? Ganz ungetrübt war ja ihr Glück nicht wegen der Anwesenheit der Brüder.
Alfred hatte sein brüderliches Ueberwachungsamt zwar gleich im Stich gelassen, als eine blonde Neapolitanerin ihm zugelächelt.
Heinzemännchen aber nahm seine Verpflichtung ernster.
Mit unermüdlicher Ausdauer lief er hinter seiner leichtfüßigen Schwester her und holte Mama zur Verstärkung, wenn Monika wieder einmal allzulange Dialoge mit einem blumenkaufenden Leutnant führte.
Natürlich stachelte diese Ueberwachung Monikas Trotz erst recht; sie ärgerte sich in eine förmliche Empörung hinein! Also nicht mal hier konnte man ihr Ruhe lassen! War sie denn wirklich so viel schlimmer als alle die anderen jungen Mädchen, die sich hier ungestört ihres Lebens freuten?!
Was hatte sie denn schließlich begangen? Die paar Flirts, die paarmal, wo sie verliebt gewesen war, was sich hauptsächlich auf das Dichten guter Verse beschränkt hatte — —
Eine heiße Zornwelle flutete in ihr empor. Nun erst recht! Wollen doch mal sehn, ob wir nicht Heinzemännchen, dem Tugendbold, ein Schnippchen schlagen können?!
Mit Blitzesschnelle hatte sie sich in das Leinwandzelt von Fräulein von Toring, die als Wahrsagerin fungierte, geflüchtet. Durch einen Spalt beobachtete sie Heinrichs ratloses Gesicht; er hatte nicht bemerkt, wohin sie so plötzlich entschwunden. Sein bestürzter Ausdruck war so komisch, daß Monika sich nur mit Mühe enthielt, laut aufzulachen.
Dann sah sie ihre Mutter zu Heinrich herantreten, der er dann anscheinend einen Kriegsplan entwickelte; gleich darauf schwenkte er nach links ab, während Frau von Birken das Terrain nach rechts absuchte.