Diesen Augenblick benutzte Monika, um aus dem Zelt zu rasen, die Treppe hinauf, die in den ersten Rang führte, wo all die Logen waren; dort würde man sich gut verstecken können.

Wie ein Pfeil schoß sie hinauf, bog um die Ecke und prallte so heftig an einen Herrn an, daß nur dessen schnelles Zufassen sie vor einem Falle bewahrte.

„Na, wohin so eilig?“ fragte er lächelnd.

Monika war zu atemlos, um zu antworten; sie blickte stumm den Fragenden an.

Er war ein Kavalier in der Mitte der dreißiger Jahre, ein vollendeter Typus des norddeutschen Aristokraten. Er war groß, auf breiten Schultern saß ein stolz getragener Hals, ein schmaler Kopf. Er hatte die hochsattelige Nase der vornehmen Rassen, kühle graue Augen, einen bürstenförmig kurzgeschnittenen Schnurrbart über dem harten Mund. Er betrachtete mit Interesse das glühende, schöne Mädchen. „Vor wem sind Sie denn auf der Flucht? Vor welchem Argus?“

„Argus stimmt auffallend,“ lachte Monika.

„Hier finden Sie ein tadelloses Versteck.“ Er öffnete die Tür einer der Logen, die leer war.

Monika ließ sich auf einen der Stühle nieder.

„Erst mal atmen!“ sagte sie.

Ihr schlug das Herz zum Zerspringen, von dem schnellen Laufen sowohl als auch wegen der ungewohnten Situation: allein mit diesem schönen Unbekannten, auf drei Seiten von schirmenden Logenwänden umschlossen und vor sich den Blick auf des Ballsaals tobendes Gewühl da unten.