Ihre anfängliche Befangenheit schwand schnell bei der überlegen sicheren Art, mit der ihr Begleiter das Gespräch führte. Bald vergaß in angeregtester Konversation Monika ihre Verkäuferinnenpflichten.
Mit hellem Lachen nahm sie die scharfen Urteile auf, die ihr Begleiter über die Leute da unten im Ballsaal fällte.
Er kannte eine Menge Menschen; er nannte die Herren, die sich beflissen um die Sektbude der Frau Geheimen Kommerzienrat von Dresdener drängten und nannte ihr auch die Summen, mit denen diese Herren den adelsfreundlichen Kommerzienrat angepumpt.
Das rosa Mullkleid der Gräfin Himmlingen-Wolfsfeld war wahrhaftig jugendlicher als das ihrer jüngsten Enkelin, die im Nebensaale verkaufte.
Die jungen Mädchen, welche eben in einer Rotte von etwa einem Dutzend auf den Prinzen Balduin losstürzten, den seine riesenhafte Gestalt und der Hausorden des Hauses Hohenzollern weithin kenntlich machten, glich einer Horde von Haifischen, „ja, den Haifischen bei Saint-Thomé“.
„Haben Sie die selbst gesehn?“ fragte Monika interessiert.
„Ja, bei Saint-Thomé am Aequator. Das Wasser ist dort so sonderbar durchsichtig wie Glas. Bei fünfzehn Meter Tiefe sieht man noch den Grund, sieht all das Tierzeug, besonders viel Haifische. Und wenn einer von uns an Bord unserer Jacht bei den Schießübungen, die wir aus Langerweile anstellten — wir schossen auf die Haie in der Tiefe — dann so eine Bestie traf, dann stürzten die anderen Haie mit unnennbarer Gier über ihn her. Grad’ wie dort unsere jungen Damen über den Prinzen Balduin.“
Monika lachte diesmal nicht.
„So klar ist das Wasser dort?“ fragte sie.
Ihre Stimme hatte plötzlich etwas Träumerisches bekommen.