„O Gott, so tief kann man da hinuntersehn — —? Wie durch Glas? Wie durch Kristall? — Und all die Geheimnisse der Tiefe sind plötzlich aufgetan? Man sieht die grünen Algen und die Korallenbäume, rosa und weiß, tausendfach verästelt. Und die Quallen, jene sonderbaren Wesen, die halb Blumen sind und halb Tiere, treiben dahin und leuchten wie Opale und Amethysten — —“ Ihre Augen schauten sehnsüchtig vor sich hin.

„Sie dichten ja,“ sagte er erstaunt, lebhaft interessiert von dem Geist, der in diesem jungen Gesichte war und den Ausdruck dieser Züge so oft wechseln ließ.

„Sind Sie zu Jagdausflügen in die Tropen gegangen?“

Monikas Phantasie ließ sie in ihrem Begleiter einen Nabob vermuten, einen Globetrotter, der nur der Haifische wegen nach Saint-Thomé fuhr.

Er lächelte ein wenig sarkastisch. „Nein, mein gnädiges Fräulein, ich war dienstlich drüben, als Vize-Konsul.“

„Ach wie interessant! Und wie schön gefährlich es drüben sein muß. Sind Sie oft krank gewesen? — Malaria?“

Er lachte. „Nein, ich muß Sie enttäuschen. Es war nicht der Rede wert. Ueber achtunddreißig Grad hat es mein Thermometer nicht gebracht! Wir alle in der Familie sind so widerstandsfähig!“

Unwillkürlich reckte er seinen schönen, kräftigen Körper noch höher empor.

Sie warf ihm einen bewundernden Blick zu, sagte aber trotzdem: „Ich denke es mir eigentlich nett, hohes Fieber zu haben und schöne Fieberphantasien!“

„Ihre Anschauung ist ebenso originell wie unzutreffend. Fieber ist natürlich häßlich wie jede Krankheit, häßlich wie alles, was den Menschen aus dem seelischen oder körperlichen Gleichgewicht bringt.“