Frau von Wetterhelm versank in Nachdenken und musterte innerlich ihren Bekanntenkreis. Es war die größte Leidenschaft ihres Lebens, Heiraten zu stiften.
„Vielleicht die Komtesse Lerk-Eichenbruch,“ sagte sie nach einer Weile gedankenverloren. „Gott, natürlich wird sie sehr diffizil in ihrer Wahl sein. Sie ist die einzige Tochter vom Gesandten und eine geradezu blendende Schönheit, — aber Vetter Georg kann auch was verlangen! Bei den Aussichten, die er hat — und ein selbständiges Vermögen von seinem verstorbenen Vater hat er auch. — Uralter Name und solch auffallend gut aussehender Mensch wie er ist. Nicht?“
Monika antwortete nicht. Ihre kleinen, weißen Hände zerrissen nervös die welken, roten Rosen.
8.
Die Folge dieses Wohltätigkeitsabends war für Monika erstens mal, daß sie ein Gedicht verfaßte, in welchem sehr viel von kalten Augen und heißen Lippen die Rede war.
Sie brachte das Gedicht selbst in die Redaktion des Leuchtturms und Doktor Waldmanns Kritik war verblüffend:
„Sie haben bisher mit Tinte geschrieben, gnädiges Fräulein, aber dieses Gedicht ist mit Herzblut geschrieben!“ — ein Urteil, das Monika zwar schmeichelte, sie aber doch zu einem lauten Gelächter veranlaßte.