Und dann — war es Wirklichkeit? Der Unbekannte trat heran und beugte sich über die Hand von Frau von Wetterhelm. Sie begrüßte ihn mit einem wahren Wortschwall.
„Welche Freude, Sie endlich mal wiederzusehen, Vetter Georg. Ich hörte schon, daß Sie jetzt hier in der Wilhelmstraße arbeiten. Aber zu mir haben Sie den Weg natürlich noch nicht gefunden.“
„Aber gnädigste Cousine,“ wehrte er ab, „ich bin erst seit so kurzer Zeit hier — —“
Plötzlich fiel sein Blick auf Monika, die sich ganz in einer Ecke versteckt hatte.
„Darf ich bitten, mich vorzustellen?“
„Aber mit dem größten Vergnügen. Fräulein von Birken, darf ich Ihnen den Konsul von Wetterhelm präsentieren — —“
Monika erwiderte die tiefe Verbeugung des Konsuls mit einem sehr verlegenen Kopfnicken. Ihre sonstige Schlagfertigkeit war wie weggeweht.
Die dame patronesse wunderte sich innerlich nicht wenig, mit welcher Einsilbigkeit das sonst so sprühende Mädchen auf die Unterhaltung des Konsuls einging. Kein Wunder, daß sich der so bald verabschiedete.
„Er ist ein so interessanter Mensch,“ sagte sie nachher zu Monika, „ich höre ihn gar zu gern, obwohl er leider ein bißchen spöttisch ist. Ob ich nahe verwandt mit ihm bin? — Oh nein, er ist im vierten oder fünften Grade mit meinem gewesenen Mann verwandt. — — Er ist ein ganz hervorragender Mensch; ich glaube, er hat eine glänzende Karriere vor sich. Ich muß doch mal sehen, ob ich nicht eine passende Frau für ihn finde.“