Aber natürlich mußte sie dableiben. Frau von Wetterhelm hätte ihrer neuesten Akquisition einen so frühzeitigen Abschied nie erlaubt. Außerdem war weder Mama noch einer ihrer Brüder zu erblicken. Wer weiß, wo die sie jetzt suchten!
So stand denn Monika da in der Blumenbude, umgeben von all dem bunten, üppigen Blumenflor. Wie traumverloren sah sie in das Gewühl der Gäste. Aber trotz dieser Teilnahmslosigkeit wirkte sie entschieden anziehend; immer neue Besucher traten an ihren Tisch. Und Frau von Wetterhelm bedachte jeden der Kaufenden mit ihrem wohlwollenden Lächeln. — —
Dann fing die Feststimmung langsam an abzuflauen. Die verkaufenden Damen wurden müde, ganze Scharen von Besuchern drängten schon nach dem Ausgang.
Die Musikkapellen, die noch vor wenigen Stunden so überzeugt schmelzend das „Bella Napoli“ gebracht, ließen in ihrem Spiele eine gewisse Ermüdung merken. Auf die Feststimmung begann sich die beginnende Abspannung zu legen, das lähmende Bewußtsein des überschrittenen Höhepunktes.
Monikas reizbare Nerven empfanden diese Stimmung; wie ein Aschenflor legte es sich über ihr eben noch so heißes Empfinden. Mit nervösen Händen wühlte sie in den halbwelken Blumen, die vor ihr lagen, atmete den ersterbenden Duft ein, der all diesen kühlen Blütenkelchen entstieg.
Plötzlich zuckte sie zusammen. Unter den Leuten, die dem Ausgang zustrebten, hatte sie die hohe Gestalt ihres Freundes aus der Loge erkannt.
Spontan wich sie bis ganz in den Hintergrund des Verkaufsstandes zurück, eine Beute der widerstrebendsten Empfindungen. Sie wollte nicht, daß er sie bemerke — und trotzdem war eine herzklopfende Angst in ihr: „wenn er jetzt fortgeht, ohne mich zu sehen, dann seh’ ich ihn nie mehr wieder.“
Da schlug die scharfe Stimme von Frau von Wetterhelm an ihr Ohr.
„Vetter Georg, — Vetter Georg!“ rief sie mit einer so lauten Ungeniertheit, daß sich ein halbes Dutzend Köpfe nach ihr umdrehten.