„Nein, nein, er kam meinetwegen! Und wenn er nicht meinetwegen kam, dann will ich’s wenigstens glauben — dann ist es gerade so süß!“...

In den Unterrichtsstunden zeichnete sie sich von jetzt ab durch völlige Geistesabwesenheit aus. Ihre Liebe verschlang jedes andere Gefühl, jeden anderen Gedanken. Wie lächerlich winzig erschienen ihr die Neigungen, die sie früher gehabt, gegenüber dem übermächtigen Gefühl, das sie jetzt durchflutete.

Uebrigens wußte sie gar nicht, was sie eigentlich an Wetterhelm so liebte. Gewiß: er war ein schöner, vornehmer Mann, aber seinen Anschauungen vermochte sie so gar keinen Geschmack abzugewinnen. Und seine ewige Gemessenheit störte sie geradezu.

Weit entfernt, sie mit Komplimenten zu überschütten, wie es andere so oft getan, blieb er gleichmäßig kühl. Auch das nächstemal, als sie ihn traf — sieben lange Tage hatte sie umsonst darauf gehofft — und er wieder neben ihr herschritt.

„Lange nicht gesehen,“ sagte Monika mit erkünsteltem Gleichmut.

„Ich hatte dienstlich viel zu tun.“

„Bleiben Sie noch lange in Berlin?“

„O nein, ich hoffe bald einen vernünftigen überseeischen Posten zu bekommen, recht bald.“

„So...?“

„Recht bald“ hatte er gesagt... also: ihn hielt nichts in Berlin... gar nichts!