„Ja, Pflicht, das Herbste und Köstlichste, was es gibt!“ sagte er. Sein schmales, rassiges Gesicht versteinerte förmlich, seine harten Züge schienen wie aus Erz gegossen.
„Ich finde: man sollte seinen Neigungen folgen, nicht seiner Pflicht. Die weite Bahn, die sich dann vor einem auftut, ist...“
„Eine schiefe Ebene.“
Sie suchte krampfhaft nach einer ebenbürtigen Entgegnung, die sie diesen drei Worten, die wie drei Dolchstiche waren, hätte entgegensetzen können. Aber ehe sie etwas gefunden, hatte sich der Ernst ihres Begleiters gemildert, ein liebenswürdiges Lächeln teilte seine schmalen Lippen.
„Aber sagen Sie, gnädiges Fräulein, ist es nicht wirklich zu unvernünftig, daß wir mit abstrakten Erörterungen dieses Wiedersehen feiern, über das ich mich so freue.“
„Ich mich ja auch...,“ sagte sie, plötzlich ganz weich und lieb. Und wie ein Hauch kam es in verräterisch scheuem Tone von ihren Lippen: „So sehr freue ich mich...“
Dann gingen sie langsam weiter. Monika machte einen großen Umweg, um nach Hause zurückzukehren.
Ob sich die Mutter inzwischen beunruhigte, war ihr ja so gleichgültig!
Die Schelte, die sie heute wegen der großen Verspätung bekam, machte ihr keinen besondern Eindruck. Wohl war es ihr unangenehm, aber schließlich: es war unwichtig, kam nicht auf gegen das Glücksgefühl, das sie durchflutete! Sie hatte ihn wiedergesehen!
Ob er wohl ihretwegen vors Gymnasium gekommen war?... Oder war es sein Weg?... War es nur ein Zufall?... Ein Gefühl von Enttäuschung wollte bei diesem Gedanken in ihr aufsteigen, aber das kämpfte sie nieder.