Herr von Wetterhelm, der sie nach einigen Tagen wieder in der Nähe des Gymnasiums erwartete, fand sie verändert, blasser als sonst, einen schmerzlichen Zug um den schönen Mund, ihr ganzes Wesen von einem Hauch von Nervosität durchtränkt, den es sonst nicht gehabt.

Auf seine Fragen antwortete sie ausweichend. Er gab sich wärmer als sonst. Dieses tragische Gesichtchen erweckte Beschützergefühle in ihm.

„Soll ich morgen um dieselbe Zeit wieder hier sein?“ fragte er.

Sie zögerte mit der Antwort. Dann endlich:

„Mein Bruder hat mich neulich mit Ihnen gesehen, und ich habe Schelte bekommen.“

Eine Blutwelle stieg ihm ins Gesicht. „Das ist auch ganz richtig. Es ist auch nicht korrekt von mir. Ich wollte Sie schon sowieso um die Erlaubnis bitten, bei Ihrer Mutter Besuch machen zu dürfen. Wann empfängt sie?“

„O, Mama hat gar keinen jour,“ sagte Monika verlegen. Sie fand die Aussicht, ihren Freund bei sich zu Hause begrüßen zu können, durchaus nicht beglückend... Da war Mama und die Jungen, die so auf sie aufpaßten. Und man würde nie über ein vernünftiges Thema sprechen können... Und jeder Blick würde beobachtet werden... Und dann: zu Hause war es gar nicht mehr elegant. Man war sehr zurückgegangen seit den Sarkower Tagen. Nicht mal einen Diener hatte man, bloß so ein dummes „Mädchen für alles“... Gewiß würde der Haushalt den Konsul sehr enttäuschen. Wer weiß, wie verwöhnt er war!...

So schwieg sie, statt eine Antwort zu geben.

Und schauderte doch zusammen vor Glück, als er sagte:

„Ich komme übermorgen um eins.“