Und darum war es ganz überflüssig, daß Monika es immer so absolut darauf anlegte, als Letzte aus dem Kursus zu kommen und ganz allein zu gehen. Sie sah die hohe Gestalt des Ersehnten nicht mehr.
Sie war unglücklich wie nie zuvor. Nachdem sie neulich erst so verzweifelt gewesen, war ihr dieser nochmalige Sturz in die Hoffnungslosigkeit zu viel! Ihre Nerven begannen ernstlich zu leiden.
Sie, die so sehr daran gewöhnt war, ihren Willen durchzusetzen, mußte nun tatlos und machtlos die Zeit verstreichen sehen.
Sie hegte die abenteuerlichsten Gedanken, wie sie sich dem Geliebten nähern könne. Aber es blieb bei Gedanken! Die Rücksichtslosigkeit, die sie sonst entfaltete, wenn es galt, ihren Willen durchzusetzen, ließ sie völlig im Stich.
Zum ersten Male wurde Monika schüchtern. Das Burschikos-Jungenhafte, das sie oft gehabt, wich einer verträumten Schwermut.
Zum ersten Male war eine große Sehnsucht über ihr und ließ ihre Nerven erzittern wie Harfensaiten unter tastenden Fingern. Wieder und wieder durchlebte sie im Geiste jede Sekunde, in der Georg Wetterhelm sie angeblickt oder mit ihr gesprochen. Sie durchlebte immer wieder die selige Freude, die sie gehabt, wenn in seine kalten, grauen Augen ein wärmerer Schimmer gekommen. Sie sehnte sich nach ihm, sehnte sich jede Minute und jede Sekunde.
Und fühlte nichts mehr als diese Sehnsucht.
Als ihre Mutter Wetterhelm eine Woche nach seinem Besuche zum Tee gebeten, war eine höfliche Absage erfolgt. Und ans Gymnasium kam er auch nicht mehr. Es war aus! Zwei Wochen waren nun schon verstrichen.
Vielleicht war er gar nicht mehr in Berlin.