Nun fiel die Mutter ein, aber alles, was die auch vorbrachte, hatte keine Wirkung auf Monika, gegenüber den paar Worten aus Georgs Munde.

Sie kämpfte einige Augenblicke mit sich, dann aber ging sie auf ihren Verlobten zu und sagte:

„Du hast ganz recht, Georg, und ich bitte Dich um Verzeihung.“

Ihre Frisur war wirklich von korrektester Einfachheit, als man in Gerbitz eintraf.

Zwei Stunden war man Eisenbahn gefahren, dann eine Stunde in altmodischer Kalesche durch märkischen Sand, dann kam man an dem grauen Herrenhause an.

Frau von Wetterhelm und ihre Tochter Brigitte begrüßten die Gäste.

Georgs Mutter war eine imposant große Erscheinung, in der Mitte der sechzig. Ihr Gesicht zeigte einen leidenden Ausdruck. War es doch Krankheit gewesen, die der Anlaß dazu war, daß der Sohn ihr jetzt erst seine Braut zuführte.

Georg hatte innerlich gefürchtet, daß seine zukünftige Schwiegermutter den Damen seiner Familie wenig gefallen würde; ihr wenig seriöses Wesen, das Fehlen mütterlicher Würde in ihrem Aeußeren und ihr Benehmen würde wahrscheinlich von seinen überaus korrekten Angehörigen gemißbilligt werden.

Zu seinem Erstaunen verstand sich Frau von Birken mit den Damen sehr gut. Schon nach kurzer Zeit war man eifrig in das wichtige Thema vertieft, welcher Zeitpunkt für das Einlegen von Johannisbeeren der geeignetste sei.

Dies und eine Reihe ähnlicher Gesprächsthemata schlugen eine Brücke zwischen Monikas und zwischen Georgs Mutter. Als dann gar die Dienstbotenfrage aufs Tapet kam, erwärmte sich selbst Brigitte, deren hagere Altjungfernfigur im schmucklos schwarzen Kleide wie aus Holz geschnitzt erschien.