Monika trug bei diesen Unterhaltungen eine geradezu unhöfliche Unaufmerksamkeit zur Schau. Das lag ihr nicht... das alles hier lag ihr nicht... Die Einrichtung, die bei aller Wohlhabenheit geschmacklos puritanisch war, diese große, strenge Frau, zu der sie nun „Mama“ sagen sollte, die unschöne Schwester... das alles verstimmte sie.

Sie war ganz verärgert, besonders, als Georg ihre Bitte, ihr den Park zu zeigen, abgeschlagen hatte.

„Wir gehen nachher alle zusammen,“ sagte er.

Bei dem Rundgang, den man nach dem Frühstück machte, wurde Monikas Benehmen von den Wetterhelmschen Damen innerlich „lächerlich kindisch“ gefunden; sie geriet in Ekstase vor den jungen Lämmern mit ihren kurzlockigen Fellchen, sie kniete nieder, um sie an sich zu drücken; sie war im Schweinestall außer sich vor Freude über die Ferkel mit ihren rosa Körpern und den Ringelschwänzchen; sie hielt den Tieren Reden, besonders dem Hofhund, der gleich eine große Sympathie für sie an den Tag legte:

„O, was für ein guter Hund... Du bist ja sehr häßlich, mein armer Kerl, und so gelb wie Eidotter bist Du, und aus gar keiner feinen Familie... Nein, nicht mal Rasse hast Du... Aber Du bist doch gut, mein Dickerchen! Ach, was für’n guter Hund! Und gut sein ist ja auch was wert, wenn auch nicht so viel wie schön sein!“

Da intervenierte Frau von Birken, sie legte die größtmögliche Strenge, deren sie fähig war, in ihren Ton:

„Monika, genug des Unsinns! Wir wissen ja, daß Du nur scherzest, aber man soll auch im Scherz nicht sagen, daß Schönheit mehr ist als Güte! Die Güte ist das Weltprinzip...“

Brigitte drückte der Baronin ostentativ die Hand.

„Aber Mama,“ rief Monika, schnell wie aus der Pistole geschossen, „aber Mama! Du hast doch wohl schon Naturgeschichte gelesen und Weltgeschichte und Entwicklungstheorien? Das Weltprinzip ist doch die Grausamkeit, der ewige Kampf...“