Frau von Birken hatte vor Rührung Tränen in den Augen.

„Wie entzückend, wie heroisch geradezu, sein eigenes Lebensglück hinzugeben, um der Mutter Trost sein zu können! Diese echt weibliche Entsagung! Da siehst Du, Monika, was für junge Mädchen es auf Gottes Welt gibt!“

„Aber das ist doch ein maßloser Unsinn,“ rief Monika heftig, mit sprühenden Augen; in ihrer Erregung bemerkte sie nichts von dem förmlich lähmenden Entsetzen, das ihr Ausruf bei der Tafelrunde hervorgerufen.

„Ja, ein offenbarer Unsinn,“ stürmte sie weiter, „ein lebendiges, warmes Liebes- und Lebensglück zu opfern aus töchterlichem Pflichtbewußtsein! Man lebt doch nicht für seine Mutter!“

Sie brach ab, erschreckt über das Verhalten ihres Bräutigams, der zu seiner Mutter getreten war. Er beugte sein erblaßtes Gesicht über die alte Frau und sagte, indem er wie beschwörend seine Hand auf ihren Arm legte:

„Hör’ nicht hin, Mama, sie meint es nicht so. Sie ist noch so sehr jung.“

Die böse Stimmung, die dieser Zwischenfall hervorgerufen, hielt an. Die Wetterhelmschen Damen brachten kaum ein Wort mehr über die Lippen.

Gut, daß Frau von Birkens Redefluß auch bei dieser Gelegenheit nicht versiegte. Ihre Begabung, über die nichtigsten Dinge sehr viel zu reden, war ihrem zukünftigen Schwiegersohne zum erstenmale eine Freude. So herrschte wenigstens nicht dauernd Stillschweigen.

Mit dem Abendzuge fuhr man fort. Auf der Rückfahrt berührte Wetterhelm mit keinem Worte den Vorfall, der ihm tiefgehenden Eindruck gemacht. Bei seiner langsam denkenden Art wollte er erst mit sich selbst ins Reine kommen, ehe er mit Monika sprach.