Monikas Hand, die den Brief gehalten, sank schwer herunter. Ihr wirrer Blick traf zufällig auf den Spiegel, vor dem sie gestanden. Und dieser Blick wurde allmählich bewußt, erkannte das Spiegelbild, und wie ein grenzenloses Erstaunen ging es ihr durch den Kopf: „Herrgott, kann man denn überhaupt so blaß sein?!“
Einige Sekunden lang irrte ihr Sinn noch herum wie ein Vogel, den die Kugel traf, der ängstlich flattert mit zuckenden Flügelschlägen und dann plötzlich, sich des Schmerzes bewußt werdend, aufschreit und niederstürzt.
Und dann Nacht...
Eine tiefpurpurne Finsternis, aus der sich die Sinne nur langsam und qualvoll allmählich wieder zum Bewußtsein ringen.
Das... das war doch nicht möglich! Das war doch nicht denkbar... nein, nicht auszudenken, daß diese Liebe, die strahlende Sonne, die ihr ganzes Leben erleuchten und erwärmen sollte, nur ein Irrlicht war, das eine flüchtige Sekunde aufschimmerte und dann versank...
Nein, nicht möglich! Und doch? Was stand da in dem Briefe? In dem Briefe, der ihren Fingern entglitten war, den sie nun vom Boden emporriß und von neuem las?
Und noch einmal...
Und wieder...
Sie verwundete sich an jedem Worte mit der wahnsinnigen Schmerzensgier einer Märtyrerin, die sich immer von neuem Dolchspitzen in ihr schauderndes Fleisch bohrt.
Und dann — wie eine Eingebung — leuchtete in dem wirren Toben ihrer Empfindungen plötzlich ein Gedanke auf, wie das klare Licht eines Leuchtturms im Dunkel einer sturm- und wogendurchtobten Nacht: