Ich habe das zuerst alles für Kindereien gehalten, aber wie Du gestern meiner alten Mutter ins Gesicht hinein erklärtest, daß das hohe Liebeswerk, das meine Schwester an ihr getan, „barer Unsinn“ sei, das gab mir einen Choc, den ich nicht überwinden kann.
Dann kam Dein Brief — — — Die Verse sind gewiß sehr schön und talentvoll, aber für ein junges Mädchen wenig passend. Die Tatsache, daß Du sie veröffentlichen willst, entspringt einem mir geradezu unbegreiflichen Mangel an Zartgefühl.
Wie kann man so intime Empfindungen der großen Menge preisgeben, sie der höhnischen Kritik jedes Uebelwollenden aussetzen. Wie kann man Gefühle, die in das tiefste Dunkel Deines Mädchenherzens gehören, an das grelle Licht der Oeffentlichkeit zerren?! — —
Aber genug von alledem!
Mit tiefem Schmerze reiße ich mich los von Dir in der Erkenntnis, daß unsere beiden Naturen zu grundverschieden sind, um je in eine harmonische Ehe zu verschmelzen.
Ich sage Dir brieflich Lebewohl, weil ich weiß, daß ich dem Zauber Deiner Gegenwart doch nicht widerstehn kann. Du bist die Erste, bei der mein Gefühl stärker war als mein Verstand. Ich weiß und fühle, daß diese Schwäche Dir gegenüber für mein ganzes künftiges Leben eine Gefahr bedeutet, eine Gefahr hauptsächlich darum, weil Du Deinen ganzen Anschauungen nach mich oft zu Handlungen und Unterlassungen wirst veranlassen wollen, die meiner innersten Natur widerstreben.
Lebe wohl, mein geliebter kleiner Schatz.
Georg.“