Eine scharfe Brise kräuselte des Mittelländischen Meeres blaues Wasser, aber der große Dampfer zog ruhig und sicher weiter seine tiefaufwühlende Furche.

Es waren wenig Passagiere auf Deck. Außer ein paar Engländern, die mit hochgeklapptem Rockkragen, die Mütze tief in der Stirn und die Stummelpfeife zwischen den Zähnen herumspazierten, nur Georg von Wetterhelm mit seiner Frau.

Monika hatte den Sturmriemen ihrer Mütze heruntergezogen und ließ sich den Wind ins Gesicht wehen. Sie sah so strahlend glücklich aus, daß des Konsuls harte Züge ein Schimmer von Zärtlichkeit überflog.

„Du bist schon ein liebes Kerlchen, Mone! — Wie viele Frauen würden jammern über das schlechte Wetter, das wir bisher hatten.“

„Aber, Georg, das Wetter war doch großartig.“

Er lächelte. „Na, Liebchen, seit den zwölf Tagen, die wir verheiratet sind, ist noch kein Tag ohne Regen gewesen. — Schade! Ich hatte mir diese Seereise so nett gedacht.“

„Aber sie ist doch entzückend! Weißt Du, es soll so viele Leute geben, die in der Phantasie wer weiß wie sehr genießen und von der Wirklichkeit enttäuscht sind! Das ist doch zu dumm... Ich habe es mir ja gewiß immer wunderschön gedacht, mit Dir verheiratet zu sein, aber daß es so über alle Begriffe schön ist, das habe ich nicht gewußt!“

Er zog sie an sich und küßte das junge Gesicht, auf dem der kühle Hauch des Meeres lag.