„Na, und Du, Liese?“

„Fünfundvierzig.“

„Das paßt doch eigentlich ganz gut.“

„Ach, er hat nu schon den ganzen Kopp voll graue Haare. Und so die richtige Forsche is auch nich mehr in ihm. Weißt Du, wenn ich dagegen an den Hanschen denk’, den Stubenmaler aus Stallupönen ...“

„Wer ist denn das?“

„Mein erster Bräutigam, Kind. Ein forscher Kerl war das. Groß wie so ’n Baum und den ganzen Kopp voll Locken und rote Backen. Und zwanzig Jahre war er alt... und ich achtzehn.“ Eine Sehnsucht glomm aus in den dumm-pfiffigen Augen.

Mit ahnungsbangen Augen sah das knospende Mädchen hinüber zu der verblühten Frau, die von erster Liebe sprach.

„Liese, es ist schrecklich spät. Ich glaube, ich muß weg.“

„Ja, das mußt Du, mein Trautstes, aber erst muß ich Dir mal die Stub’ zeigen. Nu all die ganze Zeit hier in die Küche...“

Liese öffnete die Tür zur Stube. Auch hier herrschte die gleiche bedrückende Luft. Ein großes Bett nahm die eine Längswand ein; es war auf allen vier Seiten von einem roten Kattunvorhang umgeben.