Es muß zuschanden werden — —‘“

Sie sah in diesem Augenblick den Abgrund, der alles verschlang, sah der Vergänglichkeit weitgeöffneten Höllenschlund, — und mit einer schutzsuchenden und verzweifelten Gebärde klammerte sie die Arme fester um Georgs Hals.

„Mone, Du bist überreizt. Sicher heut zu lange in der Sonne gewesen. Du bist doch sonst nicht so sentimental.“

Da sanken ihre Arme herab: also er verstand gar nicht? „Sentimental“ nannte er ihr trotziges Aufbäumen gegen den Verfall. „Sentimental“ diese schauernde Angst der blutroten Lebenswärme gegen die grausame Zeit, die unablässig, unaufhaltsam fortschritt, sie vorwärtsführte in das graue Alter und in den eisigen Tod...

Sie hatte geglaubt, daß die große Liebe, die über ihnen beiden war, all ihre Nerven aufeinander abgestimmt hätte, wie wohl, wenn man einen Ton auf dem Klavier anschlägt, die Tonwelle sich durch die Luft weiterpflanzt und das Kristall eines Glases in Schwingungen versetzt, daß es mitklingt in reinster Harmonie.

Und so war es nicht?! Den Erschütterungen ihres Innern setzte er ein banales Nichtverstehen gegenüber?

Das war die erste Enttäuschung ihres Liebesglücks.

Sie war zu jung, um lange bei diesem Gedanken zu verweilen. Der nächste Tag schon brachte neue Freuden. „Schön, schön wie die Wirklichkeit,“ sagte Monika.

Und immer wieder durchzuckte sie der Gedanke: „Ach, die Zeit anhalten!“