Uebrigens wirkte er, trotz seiner vollendeten Höflichkeit, oft geradezu lähmend auf Leute, die Anlage zu Extravaganzen, zu Ausgelassenheiten hatten. Mit ihm „nahm man sich mehr zusammen“ als mit anderen.
Es kam alles so anders, wie die Bekannten vermutet, als sie von Georgs Verheiratung gehört.
„Die Kleine wird ihn gut unterkriegen,“ hatte das allgemeine Urteil gelautet, „die mit ihrem sprühenden Temperament, ihrer so urpersönlichen Art, Menschen und Dinge aufzufassen — die wird es schon verstehen, ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen.“
Das alles traf nicht ein. Beim Aneinanderreihen dieser beiden Charaktere trug der Mann den Sieg davon. Immer von neuem rang seine Art Monika Bewunderung ab. Wohl fand sie oft seine Ansichten borniert, fand ihn mit Vorurteilen vollgepfropft, aber stets aufs neue wirkte die Geschlossenheit seines Wesens auf sie, der Zusammenschluß seiner ganzen Persönlichkeit. Alles stimmte bei ihm so harmonisch zusammen: seine Abkunft und seine Ansichten, sein Aeußeres und sein Wesen.
Diese Harmonie wirkte auf Monika wohl um so stärker, als ihre nächsten Verwandten alle etwas Zerfahrenes hatten. Ihr Vater, dem die Willenskraft gefehlt, die spielerisch kindliche Mutter, die ihre Kinder, als sie klein gewesen, wie geliebte Puppen behandelt, und die dann plötzlich mit erschreckten Augen die Heranwachsenden gesehen, die wild emporgeschossen waren.
Ja, Monika bewunderte ihren Mann, und sie empfand zu weiblich, um sich ihm nicht zu beugen.
Zuerst waren es Kleinigkeiten, die sie ihm opferte: einen Hut, den er „zu auffallend“ fand, eine zu kühne Frisur, eine burschikose Bezeichnung.
Dann ging es weiter: hier eine ihrer Ansichten, die ihm zum Opfer fiel, dort eine Ueberzeugung!
Allmählich gewann seine Art immer mehr Einfluß auf sie: die mächtigen Flügel ihrer Phantasie, die sie so oft in goldstrahlende Höhen und in purpurfinstere Tiefen getragen, begannen sich matter zu regen, gleichsam gelähmt von der Nüchternheit, die mit ihr Tisch und Bett teilte.