„Korrekt, mein kleiner Schatz,“ und Monika zog das buntflimmernde Kleid ihrer Persönlichkeit aus, um die Gesellschaftsrobe einer gut erzogenen Dame zu tragen.

Sie lernte es, zu lächeln statt zu lachen; sie lernte es, den Schrei der Begeisterung oder des Abscheus zu unterdrücken, sie lernte es, Meinungen zu haben, „die niemand verletzen konnten“.

Wohl wollte ihr das manchmal wie ein Verrat an sich selbst bedünken, aber tat sie es nicht gern... ihrem Glück zuliebe? — — —

Als Monika, nachdem sie anderthalb Jahre verheiratet war, zum ersten Male wieder nach Deutschland kam, konnte ihre Schwiegermutter nicht umhin, anzuerkennen, daß Monika sich „sehr zu ihrem Vorteil verändert“ habe.

Ihre eigene Mutter war ganz konsterniert über den Wechsel, der mit ihrer Tochter vorgegangen.

„Daß Sie das fertig bekommen haben,“ sagte die Baronin immer aufs neue zu ihrem Schwiegersohn.

Die Brüder hatten jeder sein besonderes Urteil über Monikas Wesen. Alfred, der inzwischen Fähnrich — „leider bei der Infanterie“ — geworden war, fand seine Schwester jetzt „auf der Höhe“. Sehr elegant — ohne die Koketterie, welche ihn an ihr so geärgert, als sie junges Mädchen war — in Haltung und Auftreten große Dame. Heinzemännchen fand, Monika sei ohne Zweifel „geistig verflacht“. Dichten könne sie anscheinend überhaupt nicht mehr. Sie zeige kaum noch Rudimente literarischer Bildung und hätte sogar seinen neuen Lieblingsdichter für „sentimentalen Unsinn“ erklärt.

Karl urteilte, daß Monika nach wie vor großartig sei. Wo gab es wieder eine so gute Schwester? Sie beschied ihm kaum je einen Wunsch abschlägig. Und Karl hatte eine ganze Menge Wünsche.

Das war Birkensches Erbteil: der Hang zur Verschwendung. Als erschwerenden Umstand hatte er seiner Mutter Leidenschaft fürs Verschenken geerbt. Im übrigen war er liebenswürdig und freundlich, faul und lügenhaft. In diesem Alter, in dem sonst Knaben beginnen, männliche Züge zu zeigen, behielt er etwas Anmutig-Kindliches. Ueber seinem rosigen Gesicht schimmerten die Haare in tiefem Goldblond. Seine Augen waren so dunkel, seine Zähne so weiß — über seinem ganzen Wesen lag eine friedliche Gottergebenheit.