Ernstere Interessen hatte Karl überhaupt nicht, nur die einfachsten animalischen Freuden waren für ihn vorhanden: gut essen und gut trinken, lange schlafen und nichts tun!

Monika hatte gerade für diesen Bruder eine besondere Zuneigung. Doch auch Alfred und Heinrich waren ihr sehr ans Herz gewachsen, ungeachtet dessen, daß diese beiden kaum jemals freundlich zu ihr gewesen.

Georg von Wetterhelm hatte mitunter ein tadelndes Wort dafür, daß seine Frau oft Zeit, Geld und Mühe an ihre Brüder verschwendete. Ihm waren diese jungen Schwäger, die so völlig anders lebten, als er es im gleichen Alter getan, nichts weniger als sympathisch.

Auch mit Frau von Birkens kapriziöser Art vermochte er sich niemals recht zu befreunden. Er sagte über diese angeheirateten Verwandten zwar nie ein Wort, aber Monika merkte die mangelnde Sympathie zwischen ihrem Manne und ihren Angehörigen, und das abfällige Urteil über die Ihren, das sich in Georgs Verhalten dokumentierte, war nicht ohne Einfluß auf sie, wie nichts ohne Einfluß auf sie blieb, was seine Ueberzeugung war.

Halb unbewußt formte sie sich nach seinem Bilde. Halb unbewußt wurden ihre Ansichten anders, als sie es gewesen. Und langsam wuchs in ihr eine Scham gegen die Ungezügeltheit, die sie sonst zur Schau getragen.

Die paar Male, wo sie aufgebraust war, in der ersten Zeit ihrer Ehe, blieben ihr unvergeßlich in Erinnerung, schmerzten sie wie alte Wunden, waren wie Niederlagen, deren sie sich schämen mußte.

Ihre eitle und stolze Natur zuckte zusammen, wenn sie daran dachte, wie bei solchen Gelegenheiten Georgs Gesicht ausgesehen: erstaunt und peinlich berührt, etwas wie Verachtung um die Mundwinkel.

Auch war das ganze Milieu, in dem Monika lebte, dazu angetan, allzu persönliche Wallungen zu unterdrücken.

Ein Wirbel von Geselligkeit nahm sie auf, gleich in den ersten Jahren. Ueberall hatte sie zu repräsentieren, hatte die korrekt liebenswürdige Frau eines Beamten zu sein, für dessen Zukunft man viel hoffte.