Aeußerlich war er ein auffallend hübscher Mensch. Noch immer Cherubim. Kein Barthaar beschattete seine weichgeschwungene Oberlippe, seine Haut war weiß und rosig wie die eines Babys. Noch immer hatte das Haar seinen Goldschimmer und die dunkeln Augen ihren unschuldsvollen Ausdruck.

Noch immer war er gottergeben und leichtsinnig, nur daß diese Leichtsinnigkeiten jetzt einen sehr viel größeren Umfang angenommen als früher. Er raubte jetzt nicht mehr Nickel, aber er ging Schuldverschreibungen ein, die seine Mutter dann mit Ach und Krach, mit Lamentieren und Wehklagen einlöste. Oft, wenn sie ihm gar nichts mehr geben wollte, ging er zu Monika, die immer ein paar Goldstücke für ihn übrig hatte.

Das Zuhören in den Lehrstunden gewöhnte er sich allgemach ganz ab. Das alles war so anstrengend und unverständlich. Er mußte ja hingehen aufs Gymnasium, das war klar, — das Einjährige zum mindesten mußte er haben.

Aber das würde er schon irgendwo machen, das würde sich schon arrangieren lassen. Es arrangierte sich ja immer alles...

Nur sein Körper saß auf der Schulbank. Sein Geist duselte in seligen Fernen.

Es waren durchaus keine aufregenden Genüsse, die er sich vorstellte. Nur etwa so: stille daliegen auf dem weichen Sandstrande eines blauen Sees, die nackten Glieder von Luft und Sonne umspielen lassen... Und Stille ringsum und Schweigen... nichts tun, nichts denken, — — in die flimmernden Wellchen starren, die der See kräuselt, und Zigaretten rauchen... Oder: sehr gut essen, viel und gut, saftige Braten und kühle Fruchtgelees... Oder: ein hübsches Mädchen, das sehr nett und lieb zu ihm war...

In Wirklichkeit waren viele Mädchen lieb zu ihm. Seine Schönheit, sein liebenswürdiges Wesen erschlossen ihm viele Herzen. Er selbst war nicht gerade leidenschaftlich, aber er nahm mit Freuden alle Liebe, die ihm dargebracht wurde.

Frau von Birken war außer sich über die rosa Briefe, „noch dazu die meisten unorthographisch“, die ihm ins Haus flogen. Sie fing diese Briefe ab, öffnete sie, hielt sie dem Schuldigen vor, erging sich in Zornesausbrüchen über seine Liederlichkeit, worauf er mit einem ehrlichen Nichtverstehn ihr nur erwiderte: