Frau von Birken konnte und konnte sich nicht in die Trennung von ihrem Lieblingssohn fügen. Ihr schien ihr Leben plötzlich seines besten Inhalts beraubt.

Was war das für ein Aufwachen jetzt, seit sie wußte, daß sie nicht wie sonst nur eine Tür zu öffnen brauchte, um das geliebte Gesicht ihres Jungen im tiefen Morgenschlafe zu sehn!

Was war das für ein Tag, der ihr keine Sorgen mehr darüber brachte, was Heinrich essen würde, womit man ihm eine Freude machen könne....

Sie empfand ihr Mutterschicksal als ein unverdient unglückliches. Was hatte sie nun von ihren Kindern?! Daß Alfred sie verschwindend selten besuchte, war ihr nicht so wichtig. Mit dem hatten sie ja nie sehr intime Bande vereint.

Daß Monika sich so verändert, darunter litt sie. Was war Mone früher für ein anschmiegendes, warmherziges Kind!

Was Heinzemännchen anbetraf, so gab sie ihm keine Schuld an seiner Fahnenflucht, — er war ja ein so edler Mensch, da mochten eben irgendwelche Einflüsse mitgespielt haben, dunkle Mächte, über die sich Frau von Birken selber nie klar wurde. Aber mochte es nun gewesen sein, was es wollte, — das Unglück war jedenfalls da: der Liebling war ihrem mütterlichen Herzen entrissen. Das unglückliche Kind hauste jetzt in einem Zimmer, auf dessen Bett nur Decken lagen, „nicht einmal ein Federzudeck“, und des Morgens bekam er statt Tee, Toast, Schinken, Setzeier und Marmelade — nun Zichorienkaffee und Schrippen mit Margarine. — —

Nur Karl blieb jetzt der Mutter. Und Karl war kein ausreichender Trost.

Er war ja ein netter, gutmütiger Junge, aber er hatte so gar keine Interessen, die ihn mit der Mutter verknüpften, so gar nichts von der geistigen Begabung ihrer anderen Kinder.

Er war jetzt beinahe achtzehn Jahre alt und saß immer noch in Unter-Sekunda.