Sie sprach nicht laut wie sonst, wenn sie erregt war. So tonlos klang’s... mit versagender Stimme: „Heinrich, ich habe doch alles getan, was ich Dir an den Augen absehn konnte, — alles... alles...“
Er zögerte.
„Ja, ich weiß das auch zu schätzen, Mama. Sicher... Halte mich nicht für undankbar! Ich bin doch jetzt ein erwachsener Mensch, ich muß doch mal endlich auf eigenen Füßen stehen lernen.“
Sie fand keine Worte mehr, — sie, bei der sonst die Rede so lustig sprudelte wie ein Bächlein über Stock und Stein. Der Schlag war zu unerwartet gewesen, kam zu sehr aus heiterem Himmel. Sie hoffte immer noch, Heinrich werde seine Absicht nicht ausführen. Das konnte er ihr doch gar nicht antun!
Aber sie kannte ihr eigenes Fleisch und Blut schlecht. Die Birkenschen Kinder gaben keinen Plan auf.
Das war einer der schwersten Schläge ihres Lebens, der Tag, an dem Heinzemännchen von ihr ging.
Er hatte sich ein möbliertes Zimmer gemietet, im Studentenviertel, und kam sich in seiner endlich errungenen Freiheit sehr stolz und glücklich vor.
Seine Mutter hatte gehofft, daß er schon nach den ersten Tagen wiederkommen würde, daß ein Leben ohne ihre Sorgfalt und Mühe nicht auszuhalten sei. Aber sie täuschte sich.
Heinrich aß sogar sein zähes Restaurationsschnitzel, das er nun statt der herrlichen mütterlichen Fleischtöpfe vorgesetzt bekam, mit einem Gefühl der Befreiung. Sicher, die Mama war immer rührend um ihn besorgt gewesen, aber dieses Uebermaß hielt man nicht aus!
Seiner im Grunde gutmütigen Natur entsprechend, besuchte er sie zuerst täglich. Dann aber wurden die Bande, die ihn an seine Kaffeefreundinnen und -freunde knüpften, immer festere, und die Besuche bei seiner Mutter erfolgten in immer größeren Zwischenräumen.