Heinrichs Gedichte hatten vor allem den Beifall der Damen.
„So gefühlvoll dichtet doch kein anderer wie unser Baron Heinzemännchen,“ sagte die Barfußtänzerin mit Tränen in den Augen, als er seine Ode: „An die violette Ampel im Schlafzimmer meiner Geliebten“ vorgetragen.
Diese literarischen Freuden waren endlos, die Gespräche waren nicht einzudämmen. Die Gesellschaft saß manchmal noch zusammen, wenn schon der Frühschein sich durch die Fenster stahl, und der Pikkolo, dessen großer Kopf vor Schlaftrunkenheit zwischen den Schultern schwankte, die unermüdliche Gesellschaft mit rachsüchtigen Augen anstarrte.
Für Heinrich war es unangenehm, daß seine Mutter immer noch auf war, wenn er nach Hause kam.
Auf alle seine Vorhaltungen erwiderte sie, sie könne doch nicht schlafen, wenn ihr Liebling nicht wohlgeborgen in seinem Bettchen ruhe. Und es wäre ja sehr häßlich von dem Liebling, seine Mutter so lange warten zu lassen, aber schlafen ginge sie nicht, ach nein! Sie opfere sich eben auf für ihn.
Heinrich unterdrückte die Aeußerung, daß er auf dieses Opfer gern verzichte. Er war seiner Mutter gegenüber durchaus rücksichtsvoll im Ton. Aber innerlich wurde ihm die überzärtliche Bevormundung immer unerträglicher.
Er schwankte noch einige Zeit hin und her, raffte sich dann aber doch zu einem Entschlusse auf und sagte ihr eines Tages, daß er von jetzt ab allein wohnen wolle.
„Du mußt mir das nicht übel nehmen, Mama, aber bei Dir werde ich kein Mann, wie er fürs Leben paßt. Dieses ewige Bemuttern und Streicheln und Küssen, — ich bin doch schließlich kein Wiegenkind mehr. Und ich komme natürlich sehr oft zum Besuch.“
„Heinrich, das ist doch nicht möglich! Verlassen willst Du mich?! Das kannst Du mir doch nicht antun. Mir... Deiner Mutter, die sich zeit Deines Lebens so für Dich aufgeopfert hat.“
Im Tone ihrer Stimme zitterte all ihr Gefühl für diesen Sohn, das größte und tiefste Gefühl ihres Lebens.