Es war deshalb ein schwerer Sturz aus ihren neuerweckten Hoffnungen, als schon acht Tage nach diesem Gespräch Karl vor sie hintrat mit dem dringenden Ersuchen, ihm zweitausend Mark zu geben.

Sie war außer sich. Was dachte er sich denn eigentlich? Wozu brauchte denn ein Schüler überhaupt so viel Geld? —

Die Erklärungen, die er gab, waren so phantastisch, daß die Mutter trotz all ihrer Leichtgläubigkeit auch nicht ein Wort davon für wahr hielt.

Aber wie immer war aus Karl nichts herauszubekommen.

Wenn man ihm eine Lüge nachgewiesen, fand er flugs eine andere. Ohne den leisesten Schimmer von Verlegenheit, ohne einen Augenblick des Nachsinnens strömten ihm die Ausflüchte zu. Er, der sonst eine so wenig rege Phantasie, eine so wenig lebhafte Geistestätigkeit besaß, war nie einen Augenblick verlegen darum, die kompliziertesten Geschichten zu erfinden.

Er faßte die Weigerung seiner Mutter, ihm auch nur einen Pfennig zu geben, ernster auf, als er sonst zu tun pflegte.

Sein rosiges Gesicht war blaß geworden; er klemmte die Unterlippe so fest zwischen die Zähne, daß ein Blutstropfen niederperlte.

„Ich muß das Geld haben, Mama.“

„Wir werden ja sehen, ob Du mußt.“