Monika setzte sich auf einen Rohrstuhl am Fenster und Bertha ließ sich aufs Bett sinken; sie war noch immer unter dem Eindruck der großen Ueberraschung.
Monika hier! Und sie kam zu ihr die vier wackligen Treppen hinauf! All das kam ihr ganz unwahrscheinlich vor.
Freilich vermutete sie nicht so Entscheidendes, wie sie gleich darauf zu hören bekam.
Also Monika war fort von ihrem Mann! Für immer fort?!
Bertha fühlte bei dieser Nachricht erstaunlicherweise nicht die freudige Genugtuung, die sie bei ihren extremen Grundsätzen eigentlich hätte haben müssen. Nein, sie empfand nicht: „Gott sei Dank wieder eine, die das unwürdige Ehejoch von sich abschüttelt!“ — sondern in diesem Augenblick überwog Berthas frühere Natur: „Wie töricht von Monika, ihrem Mann davonzulaufen!“
Gut, daß, ehe sie diese Worte geäußert, ihr ihre neuerworbenen Grundsätze einfielen. Und so sagte sie denn, sie sei weit entfernt davon, Monikas Schritt zu mißbilligen. Sich durchsetzen, seine eigene Persönlichkeit zu bewahren, das sei das Höchste für ein denkendes menschliches Wesen, und die Zeiten, da man die Frauen nicht zu den denkenden menschlichen Wesen gerechnet, seien ja erfreulicherweise vorüber!
Es sei sehr vernünftig von Mone, daß sie gleich hierher gekommen zu ihr, die ihr sehr gern mit ihrem Rate zur Seite stehen wolle.
„Es ist jedenfalls sehr nett von Dir, daß Du Dich hier meiner annehmen willst,“ sagte Monika. Sie war nicht so sicher wie sonst.
Allein, zum ersten Male war sie allein gefahren, den weiten Weg von Berlin nach Zürich, und aus des Zuges Räderrollen hatte sie eine so traurige Melodie gehört: Fort von ihm! Jeden Augenblick weiter fort von ihm, der mein Glück gewesen...