Sigrid Steen stieß ihrem Gatten den Ellenbogen in den Magen, da er ihrer Meinung nach den fremden Gast bewundernd angestarrt. Dimitri Iwanowitsch setzte sein Pincenez auf und nahm es nicht wieder ab, obwohl er es sonst, um seine sehr angegriffenen Augen zu schonen, nur zum Schreiben und Lesen trug.

Hans Fischer starrte die schöne Dame so verzückt an wie ein Kind eine einladende süße Speise — kurz es herrschte allgemeine Gemütsbewegung.

„Meine Cousine Frau von Wetterhelm,“ stellte Bertha vor. In ihrer Bestürztheit vergaß sie, nun die Namen der anderen Leute zu nennen.

Und diese alle saßen stumm wie die Oelgötzen; von allen diesen Leuten, die so gut und so viel reden konnten, wenn eine sie interessierende wissenschaftliche Frage aufgerollt war, fand keiner Worte, sobald es sich um eine leichte gesellschaftliche Unterhaltung handelte.

Monikas mondaine Gewandtheit half vorläufig über das peinliche Stillschweigen hinweg. Aber eine rechte Stimmung kam an diesem Abend nicht mehr auf. Die Gäste fühlten sich durch die elegante Fremde geniert und gingen sehr viel früher als gewöhnlich.

Monika hoffte nun mit ihrer Cousine allein sprechen zu können, aber auf dem roten Kattunsofa saß Olga Nikolajewna und rührte sich nicht. Als Bertha einen schüchternen Versuch machte, sie zum Verlassen des Zimmers zu bewegen, erwiderte sie ganz erstaunt:

„Aber wir haben doch bloß dieses Sofa!“ Wußte Bertha denn immer noch nicht, daß ihr Stühle unbequem waren?!

So verfügten sich denn die beiden Cousinen in Berthas Schlafzimmer, das mit seinen winzigen Abmessungen, mit seiner schmalen, eisernen Bettstelle einen sehr ärmlichen Eindruck machte.