Und Melitta Göritz war da, ein schlankes, sehr brünettes Mädchen, das ein sehr verschlossenes Wesen hatte und von dem überhaupt niemand etwas Näheres wußte.
Dann noch ein norwegisches Ehepaar: die Steens. Merkwürdigerweise hatten die beiden äußerlich Aehnlichkeit miteinander. Sie waren beide sehr groß, sehr schlank, hatten weißblonde Haare und blaue, ein wenig vorstehende Augen, die an Fischaugen erinnerten.
Sie studierten beide Philosophie. Sie behandelten andere Leute überaus höflich und nett, sich gegenseitig aber mit ausgesuchter Unliebenswürdigkeit. Sie warfen sich Grobheiten an den Kopf, schimpften sich auf norwegisch und trennten sich nie, wie ein Pärchen Wellensittiche, ob aus Liebe oder Haß, blieb unerfindlich.
Auch Edith von Gräbert kam oft, eine norddeutsche Offizierstochter in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre, die Lehrerin an einer Töchterschule gewesen, dann aber ihren Hang zur Medizin entdeckt.
Diese alle saßen, wie so oft, an einem Maiabend in dem kleinen Wohnzimmer, als die Korridorklingel kurz und heftig in Bewegung gesetzt wurde.
„Das ist gewiß Pietro,“ rief Edith von Gräbert lebhaft; sie hatte eine ausgesprochene Vorliebe für den jungen Italiener.
Bertha, die Hausherrin, ging, um zu öffnen.
Die Gäste hörten ihren überraschten Ausruf, und gleich darauf trat sie wieder ein, begleitet von einer jungen Dame, deren Erscheinung Sensation erregte.
„Wie kommt der Glanz in diese niedre Hütte?“ murmelte Edith, nachdem sie einen taxierenden Blick auf die elegante Toilette des Ankömmlings geworfen.