Ihre Cousine Marie von Hammerhof ließ sich melden.
Marie hatte nie sehr freundliche Gefühle für Monika gehabt, und sie erschien mehr auf den Wunsch ihrer Tante Birken als aus eigener Initiative.
Sie erzählte, daß sie mit ihrem Sohne zum Sommeraufenthalt in Gersau sei und bei der Durchreise in Berlin Monikas Mutter habe versprechen müssen, sie hier aufzusuchen.
Uebrigens zeigte sich Marie freundlicher als sonst.
„Mir hat das direkt imponiert, wie Du Deinem Manne so einfach auf und davon gelaufen bist,“ sagte sie. „Ganz recht hast Du gehabt! Die Männer taugen alle nichts!“
„Daß er nichts taugt, ist unzutreffend,“ sagte Monika. „Im Gegenteil! Georg taugt sogar sehr viel. Aber ich habe eingesehen, daß er meine Persönlichkeit zerbrach, mich umformte — —“
„Das versuchen sie ja alle,“ sagte Marie wegwerfend. „Die Männer fühlen sich nun mal alle gottähnlich und empfinden uns als ‚das schwache Werkzeug‘. Ich habe nicht einen... nein, Dutzende von Ehemännern sagen hören, daß ihre Frau nach der Heirat „sich doch unendlich herausgemacht“ habe, sowohl seelisch wie körperlich. Wie gesagt, versuchen tun sie die Umformung alle, nur sie haben nicht alle Glück damit! Mein Mann hat mich nicht geändert.“
Die hagere Frauengestalt reckte sich hochauf, ein triumphierendes Lächeln huschte über ihre scharfen Züge.