„Ich bin geblieben, wie ich war, nichts habe ich ihm von meiner Seele gegeben, nichts von meinem eigentlichen Selbst.“
„Und bist Du glücklich geworden?“
„Nein, das Glücklichsein muß wohl eine Kunst sein. Ich habe sie nie rausgehabt!... Vielleicht kommt es daher, daß ich den falschen Weg gegangen bin. Mag Gott es der Mama verzeihen, daß sie mich damals bestimmte, diesen Mann zu heiraten, den ich nicht liebte, nicht haßte, — denn damals haßte ich ihn doch nicht — aber der mir fremd war, ganz fremd.“
„Und hat dann nicht Eure junge Ehe eine Brücke geschlagen zwischen Euch beiden?“
„Er blieb mir immer fremd... Und dann habe ich ihn hassen gelernt, wie man eben jemand haßt, an den man gegen seinen Willen sein Leben lang geschmiedet ist. Ein Leben lang — ein ganzes Leben — —“
Sie war blaß geworden, so als ob sie die ungeheure Tragweite dieses Gedankens in dem Augenblicke jetzt erst restlos erfaßt hätte.
„Du kannst ja weggehn,“ sagte Monika und fügte tonlos hinzu: „Weggehn, wie ich es tat“...
„Nein, nicht wie Du, denn ich bin Mutter. Könnte ich leben ohne mein Kind?! Und der Junge bliebe meinem Mann, das ist gar keine Frage. Wenn ich Wilhelm verlasse, werde ich doch als der schuldige Teil erkannt. Glaubst Du, ich könnte ohne meinen Jungen leben? Er braucht mich doch! Und ich brauche ihn nötiger als die Luft zum Leben. Keinen Tag kann ich ohne ihn sein... Und immer, immer die Angst, die schreckliche Angst: bleibt er mir? Er ist sehr zart. Die Bronchien besonders. Jetzt war ich auch wieder in Ems mit ihm; Gersau ist uns zur Nachkur empfohlen.“
„Ist er mit herübergekommen?“