„Ja, er ist mit der Bonne im Garten. Ich habe ihn unten gelassen, weil ich mit Dir noch über manches sprechen muß. Weißt Du, Mone, mich geht’s ja eigentlich nichts an, aber wenn Du irgendeinen Einfluß auf Deine Mama hast, solltest Du sie veranlassen, daß sie Heinrich nicht jeden Unfug nachsieht.“
„Was für Unfug?“
„Na, seit er wieder bei Deiner Mutter wohnt, benimmt er sich genau so, als hätte er noch seine Studentenbude. Seine Freundinnen und Freunde gehen bei ihm ein und aus, wie in einem Taubenschlag! Er veranstaltet Symposien mit violettem Seidenpapier um die Glühbirnen rum — „wegen des magischen Effekts“, sagt er! Bis vier Uhr morgens scheinen diese Gastmähler zu dauern. Als ich neulich bei Tante war und telephonieren wollte, sagte sie mir: das ginge nicht, denn in das Zimmer, wo das Telephon stände, könne ich nicht hinein, da säße gerade eine Schauspielerin, die auf Heinzemännchen warte, und offiziell dürfe sie als Mutter doch nichts davon wissen. Ich möchte doch bei dem Bäcker an der Ecke telephonieren, das sei ein sehr freundlicher Mann, der würde gewiß nichts dagegen haben.“
„Echt!“
„Ja, sage mal, ich finde, daß die Würde Deiner Mutter es erfordert, daß Heinrich wieder allein wohnt.“
„Nein, das geht nicht,“ sagte Monika, „Mama kann nicht allein wohnen... Das weiß ich aus den Briefen, die sie mir bald nach Karls Tode schrieb. Verzweifelt war sie, vollkommen wie verirrt. Was nun mit ihr werden solle? Ihre Kinder brauchten sie nicht, schienen sie alle nicht zu brauchen. Und das stimmte: wir brauchten sie alle nicht. Alfred in der fernen Garnison, Heinrich in seinem Studentenquartier, ich in die Welt verflogen — und Karl in seinem Grabe. — — Und sie schrieb, sie müsse jemand haben, für den sie sorgen könne. So allein könne sie nicht leben. Sie müsse einen von uns haben, um ihn zu betreuen, für den sie sich mühen könne... Da habe ich an Heinrich geschrieben und habe Gott gedankt, als er ja sagte und wieder zu Mama zog. Daß er sich so benimmt, ist ja nicht schön, aber es ist besser, als daß Mama allein bleibt! Denn dann kommt sie sich vor wie Spreu, ein Halm, dem man die Fruchtkörner wegnahm und der nun wertlos ist... Also Heinzemännchen soll ruhig weiter lila Symposien geben. Ich bin froh, daß die Mama ihn hat.“
„Na, wie Du denkst. Ich empfand es jedenfalls als Pflicht, mit Dir darüber zu sprechen,“ sagte Marie spitz.
Schweigen.
Dann sagte nach einer Weile Marie:
„Uebrigens, im Falle man fragen darf, was wird denn nun eigentlich aus Dir?“