„Das muß die Zukunft lehren.“
„Nicht die Vergangenheit?“
„Wie meinst Du das?“
„Na, Mone, nimm’s mir nicht übel, aber ein rasend koketter Racker warst Du immer! Wenn ich noch daran denke, wie Du Roßberg den Kopf verdrehtest. Und dabei hat Roßberg Trudchen wirklich glühend geliebt. Es geht ihnen übrigens gut, sie haben jetzt das fünfte Kind bekommen... Na, also, kokett warst Du damals schon als halbwüchsige Göre. Ich meine immer: hat Dein Entschluß nicht doch noch eine andere Ursache als die, die Du erzählst? Ist da nicht irgendeine neue Passion von Dir im Spiel?“
„Pfui! — ich habe Dir die reine Wahrheit gesagt. Wie mißtrauisch Du bist!“
„Noch immer nicht mißtrauisch genug! Die paar Male, wo ich in meinem Leben vertraute, bin ich auch noch betrogen und belogen worden. Besonders von meinem Manne, immer von ihm — ach, Du weißt ja nicht, wie viele hunderte von Malen ich mir gesagt habe: Fort von ihm, fort aus der Ehe überhaupt. Die ist wie ein Kampf bis aufs letzte! Die Ehen, die ich gesehen habe und die einen harmonischen Eindruck machten, waren immer so, daß der eine Teil der willenlose Sklave des anderen war. Dann ging’s! O, dann ja! — Oft trägt die Frau das Joch, oft auch der Mann!... Und diese sogenannte glückliche Ehe habe ich mir nicht schaffen können. Zur Sklavin war ich nicht feige, nicht charakterlos genug, zur Herrin hatte ich kein Talent.“
„Und ich?“ schoß es Monika durch den Kopf, „was war ich in meiner glücklichen Ehe? Herrin? — Nein. Georg war nie ein Weiberknecht. Also Sklavin? Nur das?“
Und Marie sprach weiter. Sie, die sonst so Kühle und Wortkarge, war heute von ungewohnter Mitteilsamkeit.
Es war, als hätten Monikas veränderte Lebensumstände die Schranke niedergerissen, die immer zwischen den Cousinen bestanden.