Das traf Monika. Edith hatte recht. Was tat sie mit der heißbegehrten Freiheit? Und mit plötzlichem Entschluß sagte sie:

„Ja, Sie haben recht, Edith. Es ist lächerlich, daß ich mich so abschließe.“

Nicht mehr wie bisher ging sie gleich nach den Mahlzeiten nach oben, sondern blieb mit Edith in der Halle. In dem großen, prunkvollen Raume mit seinen riesigen Spiegeln, den hohen Marmorvasen, in dem exotische Pflanzen blühten, war besonders zur Zeit des Fünf-Uhr-Tees ein buntscheckiges Publikum versammelt. Hier wiegte sich auf dem Rocking-Chair eine goldblonde junge Amerikanerin, den Strohhalm ihres Ice-Drink zwischen den purpurn geschminkten Lippen; ihre weitvorgestreckten Füße ließen ihre violetten Seidenstrümpfe und breithackige Lackschuhe sehen, auf deren Spangen Brillant-Agraffen blitzten. Und über diese Agraffen beunruhigte sich eine deutsche Bürgerfamilie, die, angelockt durch das Plakat: „Täglich von 5 bis 7 Zigeuner-Musik“, sich hierherbegeben. Der Familienvater suchte sich immer von neuem dadurch Contenance zu geben, daß er sein Pincenez zurechtschob. Das alles hier herum war ihm sehr ungemütlich. Diese babylonische Pracht in der Runde sowohl wie die Blicke, mit denen seine gestrenge Gattin kontrollierte, ob er den extravaganten Damen hier Aufmerksamkeit schenke.

An einem der nächsten Tische saß ein altes, englisches Ehepaar, das so häßlich war, daß man nicht verstehen konnte, wie es zu der wunderschönen Tochter kam, die es spazieren führte.

Ein paar Südamerikaner mit stechenden schwarzen Augen in olivbraunen Gesichtern, Mister Raspkeeper, der Petroleumkönig, dessen mageres Gesicht über dem entfleischten Halse etwas Geierhaftes hatte, die schöne Niniche, eine weltbekannte Tänzerin, die von echten und falschen Reizen strotzte, Herr von Aro, ein angekränkelter deutscher Rittmeister, Graf Lork, ein eleganter Russe, von dessen Reichtum man Fabelhaftes erzählte, und das alles trank Tee und Cocktails, aß Petits Fours und Sandwiches. Durch die riesigen Spiegelscheiben glänzte das tiefe und kostbare Grün des Sees, grüßte des Bürgenstocks wildzackiger Umriß.

Und die Zigeuner in ihren roten Jacken spielten auf stöhnenden Geigen von der Liebe...

Quand l’amour se meurt...

Da schlug Monikas Herz so qualvoll... Ihre Liebe zu Georg war ja tot.

Sie nahm sich zusammen, hörte nicht mehr auf den schmachtenden, traurigen Walzer, der davon erzählte, wie die Liebe stirbt..

Ins Leben hinein, — ins Leben! —