Sobald Monika aus ihrer Reserve herausgetreten, hatte sie bald Freundschaften und Bekanntschaften die Menge. Natürlich waren es besonders Herren, die es sich angelegen sein ließen, ihr Gesellschaft zu leisten.
Des Morgens beim Rudern, nachmittags beim Tennis und beim Tee, abends nach dem Diner, wo ein großer Teil der Hotelgäste wieder in der Halle versammelt war, um neuen musikalischen Darbietungen zu lauschen — immer war sie von einer Anzahl Verehrer umgeben.
Uebrigens benahm sie sich ihnen gegenüber durchaus reserviert. Sie hatte nichts mehr von der herausfordernden Koketterie ihrer Mädchenjahre. Die Zurückhaltung war ihr mehr in Fleisch und Blut übergegangen, als sie selbst es geahnt. Wetterhelmsche Schule!
Edith dagegen war entgegenkommender. Sehr erfreut darüber, daß sie nun durch Monika Anschluß an elegante Kreise gefunden, zeigte sie sich von einer Lebhaftigkeit, die ihre äußere Erscheinung nicht erwarten ließ.
Man unternahm jetzt immer sehr viel an diesen endlos langen Sommertagen, die ganz in Sonnengold getaucht waren. Morgens fuhr man meistens mit dem Motorboot des Grafen Lork. Mit spielerischer Sicherheit glitt das Boot über die grüne Wasserfläche, vorbei an starren Felswänden, die senkrecht ins Wasser abfielen.
Der See hatte tiefe Einschnitte in die Felsmasse gewühlt, und triumphierend spielten seine Wellchen in den Buchten.
Man machte in irgendeinem von den Orten am See Station, um dort zu frühstücken, im Schloß Hartenstein, in Gersau oder Vitznau. Man saß da auf einer glasgedeckten Veranda oder auch im Garten.
Der Sommer goß einen heißen Strom von Leben über die Welt, über Büsche und Sträucher, über Blumen und Früchte.