Und dieser brave, liebe Kerl, der Berningen von den Kronprinz-Ulanen — und dieser famose Graf Lork. Und überhaupt alles so nett und friedlich!

Herr von Milorski fühlte sich wie im Himmel, seine etwas hervorstehenden Augen in seinem frischen Gesicht mit der slawischen Stumpfnase blickten wie verklärt.

Auch Graf Lork war immer in bester Stimmung. Nicht gerade, daß er eine übersprudelnde Laune zur Schau getragen, das war nicht seine Art. Er war immer sehr still.

Es gab Leute, die ihn für dumm, andere, die ihn für einen großen Geist hielten. Er war nicht leicht zu durchschauen, verbarg etwaige Gefühle und Gedanken hinter einem Lächeln, das einen Anflug von Zynismus hatte. Aeußerlich war er eine Erscheinung von ungewöhnlicher Eleganz: sehr groß und sehr schlank. Das Gesicht zeigte etwas seltsam Widerspruchsvolles: die Augen hatten einen verträumten Ausdruck und der Mund einen Zug von Brutalität.

Er sprach wenig, und was er sagte, war fast immer freundlich und banal. Mitunter aber überraschte er durch eine Bemerkung von beißender Schärfe.

Edith bemühte sich, in seiner Gegenwart immer ganz besonders geistreich und liebenswürdig zu sein, und sie hatte die Genugtuung, daß er über ihre scharfen Scherze herzlich lachte.

„Wie finden Sie eigentlich den Grafen Lork?“ wurde Monika eines Abends von Edith gefragt.

Sonst pflegte Edith, wenn man des Abends nach oben kam, gleich in ihr Zimmer zu gehen. Es herrschte durchaus kein besonders herzliches oder vertrautes Verhältnis zwischen den beiden. Aber heute blieb Edith in Monikas Zimmer, und diese verabschiedete sie nicht.

Es war besser so, als allein bleiben in der blauen Sommernacht.