Monika.“

2.

Monika fügte sich besser in die Hausordnung, als man es nach dem ersten wilden Tage erwarten durfte. Sie war von überquellender Herzlichkeit zu ihrer Tante, die sie sehr liebte, weil sie sie so schön fand.

Mit dem Onkel stand sie auf einem lustigen Neckfuß: nur mit Marie konnte sie zu keinem wärmeren Tone gelangen. Marie verhielt sich allem Entgegenkommen Monikas gegenüber durchaus ablehnend. Sie hatte eine instinktive Abneigung gegen das vollsaftige junge Geschöpf mit dem heißen Hirn und dem heißen Herzen.

Die Cousinen sahen sich selten allein. Nur wenn Marie mal irgendein Anliegen an Monika hatte, bat sie sie in ihr Wohnzimmer. Und Monika tat ihr gern jeden Gefallen.

Uebrigens beneidete Marie die Cousine nicht etwa um ihre kleinen Talente. Sie sah auf Monika herab mit der ganzen Sicherheit, die die feste Position ihres Vaters ihr gab, und fühlte sich als einziges Kind des sehr wohlhabenden Herrn von Holtz dazu berechtigt, Ansprüche an ihre Zukunft zu stellen.

Sie betrachtete Monika als tief unter sich stehend, gleichsam ausgeschieden aus den Reihen der guten Gesellschaft in ihrer Eigenschaft als Tochter einer vermögenslosen Witwe.