„Und sind Sie seit dieser Aufklärung glücklicher?“

„Nein, durchaus nicht. Mein Glück würde auf ganz anderem Gebiete liegen.“

„Auf dem der Liebe?“

„Kaum. Reich möchte ich sein, mir alles Schöne kaufen — so viel Schönes, erdrückend viel, um nicht mehr an all das Häßliche zu denken, das ich in meinem Leben gesehen habe. Um mir die Seele frei zu machen von all dem nüchternen Alltag, der zeitlebens auf ihr gelastet!... Und genießen, ach, Macht genießen... wie das sein muß für jemand, der sein ganzes Leben lang immer kuschen mußte: Macht genießen!“

Ein heißes Beben kam in die harte Stimme.

„Und zu denken, Monika, daß ich all das erreichen könnte. Daß mich dieser Lork nur zur Frau zu begehren braucht und — —“

„Ah so.“

„Monika, das bringen doch so viele andere fertig: eine gute Partie zu machen! Mädchen, die häßlicher sind als ich, dümmer, ungebildeter, schlechter ... Herrgott, es gibt doch Tingeltangelmädchen, die Erzherzöge heiraten! Mädchen, die eine kolossale gesellschaftliche Kluft überspringen... Das gibt es doch nicht bloß in Märchen: daß Bettlerinnen später von goldenen Tellern aßen! Und hier ist nicht einmal ein sozialer Unterschied vorhanden. Wir Gräberts sind Uradel, gegen meinen Ruf ist nichts einzuwenden. Daß ich nicht dumm bin, weiß ich, und äußerlich — ich bin doch nicht reizlos? Nicht? Sagen Sie mir offen Ihre Meinung, Monika, ich bin doch nicht reizlos?“

Es war ein heißes Flehen in diesen Worten. Das Dunkel verbarg die Schamröte, die in Ediths Wangen emporstieg bei diesem Betteln um ein anerkennendes Wort.