Monika hatte zuerst gezögert, ob sie an dieser Tanzfestlichkeit teilnehmen solle. Sie war in keiner frohen Laune. Aber Edith war es nicht schwer geworden, sie dann doch zur Teilnahme zu bewegen; sie sah ja vollkommen ein, daß es lächerlich war und unmotiviert, an keiner Festfreude teilnehmen zu wollen.

Ja, sie würde hingehen — natürlich — und sich sehr gut amüsieren, und außerdem bei Lork für Edith „Reklame machen“, wie diese selbst mit bitterer Selbstironie sagte.

Als die beiden herunterkamen, war schon eine Menge von Gästen versammelt. Eine Anzahl sehr gut angezogener Amerikanerinnen wiegte sich mit ihren glattrasierten Landsleuten im Twostep. Eine Pariser Schauspielerin, mit einer gesucht kindlichen Frisur, erregte Aufsehen durch ihre montmartrehafte Art des Tanzens.

Der Rittmeister von Aro vergaß sein Lungenleiden und schwenkte die Damen unermüdlich und begeistert.

Herr von Milorski litt Tantalusqualen: er saß auf einem Stuhle, umzingelt von Frau und Schwiegermutter, die letztere in blauem Samt, die erstere in roter Seide. Die kleine, sehr dicke Frau von Milorski, die gut sechs Jahre älter war als ihr Mann, hatte in ihrem Gesichtsausdruck durchaus nichts von der Gutmütigkeit, nach der dicke Leute so häufig aussehen. Ihre winzigen Augen blinzelten bösartig in die tanzende Schar vor ihr, mit entschiedener Mißbilligung blickte sie auf die eleganten Erscheinungen, denen ihr Gatte sehnsuchtsvoll und träumerisch nachstarrte.

Herr von Berningen, der Kronprinz-Ulan, widmete sich zwei holländischen Damen, die Mutter und Tochter waren. Wie einst ein deutscher Dichter, wußte er nicht genau, welche von beiden er zur Dame seines Herzens erwählen solle. Gegen die Heinesche Epoche war das Bild aber entschieden verändert: den erfahreneren Eindruck von beiden machte die Tochter. Ihre Art, sich zu bewegen und zu benehmen, zeigte entschieden eine größere Sicherheit.

Wenn sie mit ihrem energischen Schritt, in ihrem saphirblauen, goldgestickten Kleide, einen Blaufuchs über der linken Schulter, quer durch den Saal schritt und einen Tisch in Beschlag nahm, so machte sie entschieden den Eindruck, die Chaperonne ihrer Mutter zu sein, die ihr bescheiden folgte, und deren Schönheit das Gepräge stiller Lieblichkeit trug.

Wie gesagt, — Berningen schwankte.

Die Mutter hatte so schöne kastanienbraune Haare.

Aber die Tochter war so pikant goldblond entfärbt. Die Tochter sprach Argot, rauchte Zigaretten, trank Cocktails, nahm Stellungen ein, die von bewußter Koketterie sprachen. Das alles gefiel aber Berningen weniger als die vornehm-liebenswürdige Art der Mutter.