Er bewies ein glühendes Interesse, schmeichelte ihr das Versprechen ab, ihm noch heute abend irgendeines ihrer Manuskripte zu geben.
„Aber es sind eigentlich alles nur Notizen,“ sagte Monika verlegen, „gar nichts Fertiges, nur Betrachtungen. Ich habe sie eigentlich nur für mich selbst geschrieben.“
„Aber das ist ja unendlich interessanter, als wenn es anders wäre,“ rief er lebhaft. „Ich habe bei allen Kunstwerken mehr Interesse für die erste Skizze als für das fertige Werk.“
Und am Abend gab ihm Monika wirklich ein paar Seiten, die sie geschrieben.
Sie hatte mit sich gekämpft, ehe sie es getan. Aber dann sagte sie sich, daß sie doch nicht allein für sich schreibe, sondern daß sie für ein Publikum arbeiten wolle; daß es doch gerade ihr Lebensberuf sein würde, ihre Gedanken der Menge preiszugeben.
Ja, sie hatte gedacht: „der Menge... preiszugeben ...“
Warum empfand sie nicht mehr wie früher, als es ihr höchste Seligkeit erschienen war, ihre Gefühle anderen zugänglich zu machen, sie mit teilnehmen zu lassen an Freuden und Schmerzen?
Jetzt war in ihr ein Zurückschauern vor diesem Gedanken.
Waren das wieder Vorurteile, die Georg ihr in die Seele gepflanzt?!
Nun, die wollte sie wohl noch besiegen....