Sie kam erst spät am Abend ins Hotel und ging gleich in ihr Zimmer hinauf.

Sie war todmüde und konnte doch nicht schlafen; eine sonderbare Helligkeit war in ihrem Kopfe...

Wie rote Brände zuckte es vor ihren Augen.

Das war wohl der lange Sommertag, der ihr Blut so überhitzt hatte, all die Glut, die auf sie niedergebrannt war, alle die Gerüche, die sie geschlürft: der herbe Hauch vom See, das frische Duften der Laubbäume und das strenge Aroma der Nadelwälder.

Oder war es die Frage, die sie nicht schlafen ließ, die Frage, die gestern aus den Tonwellen auf sie eingedrungen?

Am Morgen endlich verfiel sie in einen unruhigen Schlaf, aus dem eine schrill krähende Stimme sie weckte.

„Wer ist denn heute bei Fräulein von Gräbert?“ fragte sie das Stubenmädchen, das gerade den Tee gebracht.

Die brave Schweizerin machte erstaunte Augen. „Aber das ist ja Mademoiselle Bussy d’Armagnac de Montnoir, die da singt. Die haben wir seit gestern abend hier. Fräulein von Gräbert ist gestern doch schon mit dem Mittagszuge weg.“

Ja, Edith war fort, ohne ein Wort des Abschieds. Monika atmete im ersten Augenblick wie erleichtert auf, also Szenen wie die gestrige waren nicht mehr zu befürchten.