Monika schritt dahin wie im Traum. Der Lift fuhr sie in ihre Etage hinauf, die Tür ihres Zimmers schloß sich hinter ihr. Ihr erster Gedanke war: Dunkel, die Vorhänge herunter.

Dann, als sei es ihr immer noch zu hell, warf sie sich übers Bett und wühlte den Kopf in die Kissen. Dunkel... Dunkel und Schweigen...

Aber es ward nicht dunkel vor ihren Augen. In unabsehbarer goldener und strotzender Fülle sah sie alle Herrlichkeiten dieser Welt!

Die alle würde dieser Mann ihr geben, alles Schönste, wonach sie je Begehren getragen, alles Schönste, was Natur und Kunst hervorgebracht: edle Steine und schillernde Stoffe, kostbare Bücher und Marmorbildsäulen, Pferde und Automobile und Jachten, Gärten und Paläste...

Das alles würde er ihr geben in seiner heißen Liebe, die so leidenschaftlich war, wie sie es immer ersehnt. Ganz einhüllen würde er sie in diese flammende Leidenschaft. Seine Liebe würde sklavisch zu ihren Füßen knien und darauf harren, ihr jeden Wunsch erfüllen zu dürfen.

In allen Poren fühlte sie, welche Macht sie über diesen Mann besaß, der jede Bewegung an ihr vergötterte, jedes Wort, das sie sprach, jeden Gedanken, den sie dachte... Der sie liebte maßlos und schrankenlos...

Das war’s, was ihr wie ein Rausch ins Blut drang, diese Erfüllung ihrer jungen Sehnsucht: über alle Schranken hinaus...

Georg hatte sie in Schranken gehalten und sich selbst auch. Hatte er sie überhaupt je geliebt? War das Liebe, die nach Zügeln fragte und nach Grenzen? Georg war ein Egoist gewesen, immer; im Mittelpunkte seines Denkens hatte er selbst gestanden, er und seine Karriere.

Würde er ihr je eine Ueberzeugung geopfert haben? Von Harry Lork aber wußte sie, daß er es mit Freuden sehen würde, wenn sie alle ihre Gefühle, alle ihre Gedanken wild wuchern ließ, daß sie üppige Triebe und Blüten reckten. Mit Lork würde sie frei sein können im Denken und Tun — und überschüttet von Reichtum und fortgerissen von Leidenschaften.

Sie sah wieder sein Gesicht vor sich, wie sie es neulich im Musikzimmer gesehen, als die Sonnenstäubchen drüber hingeflirrt und die Linien beleuchtet, die die Leidenschaft hineinriß...