Da wußte sie, was sie dem Grafen Harry Lork antworten würde, sobald er wiederkam.

Sie war mit ihrem inneren Leben so sehr beschäftigt, daß sie es vermied, andere zu sprechen. Sie war fast unhöflich, gab kaum Antwort, wenn einer der Hotelgäste sie in ein Gespräch zu ziehen suchte.

Am nächsten Vormittag schwamm sie weit in den See hinaus. Die scharfe körperliche Bewegung tat ihr wohl, lenkte sie ab von der heißen Arbeit ihres Gehirns.

Aber als sie dann nachher auf dem weißen Sande des Badestrandes lag, waren sie alle wieder da, die Zukunftsträume. Die waren nicht mehr in den rosigen Farben ihrer ersten Jugend gemalt, sondern in Purpur und Gold ihrer wissenden Frauenphantasie.

Und das Gefühl eines wilden Triumphes überkam sie: nie mehr „Sitte“ und „Pflicht“... nur alle heißen Träume wahr machen, die ihr Gehirn je bewegt, — — jede Phantasie Wirklichkeit werden lassen!

Ja, das alles konnte sie, in der Kraft ihrer blühenden Jugend, die keinen Zügel mehr tragen würde, — — ungezählte Reichtümer zur Hilfe, und einen Mann zur Seite, der ein Sklave ihrer Launen war.

„Schrankenlos genießen“ — — hatte er gesagt.

Und wie ein brausender Jubelchor klang es ihr in den Ohren: „schrankenlos... genießen...“

Und doch... und doch... Es war keine volle Harmonie in diesem Hymnus. Wohl klangen die Instrumente so lockend, lachten vor Rausch und Lust, aber irgendwo schluchzte eine Geige, schluchzte so tief schmerzlich — so unerträglich sehnsüchtig — —