Einen Augenblick zögerte er, dann: „Ich möchte Sie etwas fragen, Frau von Wetterhelm. Nehmen Sie es als Freundschaftsbeweis. Man muß mich schon mehr interessieren, wenn ich indiskret sein soll. Hat es zwischen Ihnen und Wetterhelm einen Bruch gegeben?“
Sie antwortete nicht.
„Ich habe neulich Ihren Mann in Berlin gesehen,“ fuhr er fort, „er hat mir nichts Besonderes über Sie erzählt. Er sagte nur, es ginge Ihnen gut. Aber daß er nun doch nach Teheran will, nachdem er es Ihretwegen vor drei Jahren abgelehnt — —“
„Meinetwegen?!“
„Ah, Sie wissen es gar nicht? — Das ist mal wieder recht Georg Wetterhelm, es Ihnen gar nicht zu erzählen, wenn er ein Opfer bringt.“
„Ein Opfer?“ fragte sie mit versagendem Atem.
„Ja, für seine Karriere war’s eins. Das habe ich ihm damals klipp und klar auseinandergesetzt. Die Kombination lag ja damals ganz anders als heute. Allein die Tatsache, daß er dann vor drei Jahren schon erster Botschaftsrat geworden wäre.. Und außerdem ist damals der Herzog Wilhelm Friedrich hingegangen, der auf Wetterhelms Beihilfe bei seinen ethnologischen Forschungen rechnete. Wetterhelm hätte die schönste Gelegenheit gehabt, sich nach allen möglichen Richtungen hin auszuzeichnen. Aber er wollte nicht hin! Ihretwegen nicht. Er fürchtete für Sie das Klima, die zeitweise recht unruhige Bevölkerung — es war gerade wieder ein Aufstand vorgekommen. Er sagte mir auch, daß Sie sich, so weit von unserer Kultur entfernt, gar zu unbehaglich fühlen würden. Ich erwiderte, das seien doch alles keine Gründe, wenn ein Vorteil für die Karriere in Frage käme. Aber ihm stand Ihr Wohl höher. Ich machte ihm dann den Vorschlag, sich doch für ein Jahr beurlauben zu lassen, um an der Expedition des Herzogs teilnehmen zu können — Sie wissen, was Wilhelm Friedrichs Fürsprache bei uns zu bedeuten hat —, aber er antwortete, er wolle sich nicht so lange von Ihnen trennen. Ja, die Liebe beeinträchtigt eben auch bei sonst ganz vernünftigen Menschen den Verstand.“ —
Monikas Hand zitterte so stark, daß der blutrote Burgunder aus ihrem Glase über das Tischtuch tropfte.
Ihr Wohl hat ihm höher gestanden als seine Karriere!