O nur allein sein, allein sein jetzt mit ihren Gedanken, die wie eine Meute über sie herstürzten!

Aber die Frau von Georg Wetterhelm durfte ihre Haltung nicht verlieren. Und sie krampfte ihre Fingernägel in die Handflächen, daß sie ihr schmerzend ins Fleisch drangen.

Und sie plauderte weiter, liebenswürdig und witzig, als schlüge ihr nicht das Herz wie rasend in der Brust, als stiege ihr nicht das Blut so heiß zu Kopfe, daß es wie ein Brausen in ihren Ohren war.

Und der Augenblick kam, wo Herrlingen ihr abschiednehmend die Hand küßte.

Dann endlich in ihrem Zimmer durfte sie sich ihrem Gefühle überlassen, durfte aufschluchzen, durfte weinen, wie sie noch nie geweint...

War das der Mann, den sie einen starren Egoisten genannt? Dieser Mann, der seinem Avancement schadete, um der geliebten Frau einen unangenehmen Aufenthalt zu ersparen? Und der ihr nicht einmal etwas davon sagte, in der herben Vornehmheit seiner Natur, die Opfer brachte und keinen Dank dafür wollte!

In wogenden Nebeln versanken farblos alle die farbenstrotzenden Zukunftsschlösser, die sie gestern noch gebaut. Was war aller Reichtum und alle Leidenschaft, was waren alle Genüsse dieser Welt, wenn ihr die Liebe fehlte?

Und ihre Liebe zu Georg, die sie so lange gewaltsam zurückgedämmt, durchbrach alle Schranken, daß es ihr war, als sei ihr ganzes Sein nur noch ein einziger Sehnsuchtsschrei nach ihm!

Aber eisig legte sich in den Aufruhr ihrer Gefühle die Frage: Wird er mir verzeihen? Hatte sie ihm nicht schlecht gelohnt? Hatte nicht ihr eigenes Selbst ihr höher gestanden als sein Glück?