Die Liese brummte etwas vor sich hin, was nicht gerade eine Schmeichelei für Frau von Holtz bedeutete, und sah Monika dann nach, die die Dorfstraße weiterstürmte.
Immer geradeaus, bis es rechts und links keine Bauernhäuser mehr gab und endlos sich die verschneite Landstraße dehnte.
Auf freiem Felde lag Doktor Rodenbergs kleines Haus. Ein häßliches Haus war’s aus roten Ziegeln. Auf der Haustür ein Schild, das anzeigte, wann der Dr. med. Ernst Rodenberg seine Sprechstunden abhielt.
Monika riß heftig an der Klingel, die mit wahrhaft ohrenbetäubendem Lärm anschlug.
Eine große, hagere Greisin öffnete die Tür.
Die sonderbar geformte weiße Haube auf ihrem Kopf gab ihr etwas Nonnenhaftes. Ihr Gesicht sah aus, als habe es einer der primitiven Meister des Mittelalters aus Holz geschnitzt. In ihren hellgrauen, gleichsam verblaßten Augen war der Ausdruck eines steinernen Schmerzes.
„Den Doktor wollen Sie sprechen? Ja, mein Sohn ist hier.“
Sie öffnete eine Tür. Ein Geruch von Jodoform quoll Monika beißend entgegen.
Der Doktor saß an seinem Schreibtisch und drehte sich nicht um, als Monika eintrat und die Tür hinter sich ins Schloß drückte.
„Herr Doktor...“