„Hübsch bist Du geworden, Mone, und wirst noch hübscher sein in drei Jahren.“

Er betrachtete sie genau in dem hellen Nachmittagslicht.

„Von der Mama hast Du gar nichts. Das ist der Vater, das ist Birkenscher Wuchs: die breiten Schultern und die schmalen Gelenke. Und auch das Birkensche Gesicht. Nur nicht so kalt siehst Du aus wie die alle... Die Wärme, Mone, die Wärme hast Du doch von der Mama.“

Das war ein Fragen und Antworten, ein Plaudern und Lachen hin und her.

Die steinerne Mutter, die hereinkam, um Tee zu bringen, bekam einen förmlichen Schreck vor Erstaunen.

Wie lange war es doch her, daß ihr Sohn nicht mehr gelacht!

Monika schwelgte in „Jugenderinnerungen“.

„Lieber Doktor, da ist gar nichts zu lachen. Ich erhalte das aufrecht: Jugenderinnerungen! Es sind ja ganze sechs Jahre, daß ich Sie nicht mehr gesehen habe. Ich war ein Gör von zehn Jahren, als wir von hier wegzogen.

Lieber, lieber Doktor, wissen Sie noch, wenn Sie mich jeden Morgen zum Spazierengehen abholten. Ach, war das schön, wenn Sie mich jede Pflanze kennen lehrten und jeden Stein, jeden Käfer und jeden Schmetterling. — Aber das schönste war doch, wenn Sie mir erzählten: Trojas Untergang oder von Siddharda, dem indischen Königssohn. Oder vielleicht war die germanische Mythologie doch noch schöner. Ach, Baldurs Tod oder wie Schwanhild von den gotischen Rossen zerstampft wurde. Und die Götterdämmerung. — Ich kann Ihnen ja nie genug für das alles danken. Das sind die stärksten Eindrücke meines Lebens gewesen. Ich glaube, so ein nagelneues, taufrisches Kindergehirn nimmt die Eindrücke wohl am allerschärfsten auf. Ja?“