„Ach, Du kleine Weisheit. — Na, und wer ist inzwischen Dein Lehrmeister gewesen?“

„Niemand,“ seufzte Monika. „Der Papa hat sich ja nie für solche Sachen interessiert, und die letzten Jahre war er ja auch so krank, der arme Papa. Und Mama, ach, der bin ich ja schon lange über den Kopf gewachsen.“

„Du Gelbschnabel.“

„Doktor, es ist doch wahr! Die Mama ist eine liebe, süße Frau! Aber sie ist so kindisch!“

„Wirst Du wohl nicht so despektierlich reden, Du Racker! Das glaube ich schon, daß sie Dich nicht klein kriegt!“

„Nein, und in der Schule haben sie mich auch nicht klein gekriegt. Seit Oktober mit der Ia durch, Doktor, ein Jahr jünger als alle andern und prima omnium natürlich. Das wundert Sie doch nicht, alter Mentor? Mama hat mir oft genug erzählt, daß Sie mich schon im zarten Kindesalter für „geistig abnorm begabt“ erklärt haben. Inzwischen hat sich das ja etwas ausgeglichen und es gleicht sich wohl noch weiter aus. Wenn ich heirate, werde ich wohl einen normalen Geist aufzuweisen haben, und wenn ich silberne Hochzeit feiere...“

Der Doktor lachte Tränen.

„Mone, Du warst immer eine Perle und das bist Du geblieben.“